Seerhausen

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Die Ersterwähnung Seerhausens im Jahre 1170 (Reinhardus de Serusne, Urkundenbuch des Hochstifts Naumburg I.) lässt darauf schließen, dass in Seerhausen nach dem Sieg Heinrichs I. über die Daleminzier an der Burg Gana ein Wehrschloss zur Bewachung des Überganges über die Jahna errichtet wurde. Nach Reinhardus de Serusne ist im Jahre 1221 ein Ullrich von Seruse erwähnt, danach bleiben Schloss und Rittergut Seerhausen bis 1728 in der Familie von Schleinitz.

Christoph Dietrich Bose ließ den Schlosspark von Seerhausen anlegen, wovon ein Riss von 1696 Zeugnis gibt. Er schaffte auch eine Plastik von Balthasar Permoser an, den „Chronos“. Der berühmte Hubertusburger Friedensminister Thomas Freiherr von Fritsch kaufte 1729 Schloss und Rittergut Seerhausen. Er ließ den Schlosspark im barocken Stil umgestalten.

Dessen Urenkel Carl Friedrich Christian Wilhelm Paul Freiherr von Fritsch ließ das Schloss durch den Architekten Rudolf Heinrich Burnitz völlig umgestalten. Äußerlich war der Umbau am Abbruch des in der Mitte der Ostseite des Schlosses stehenden Turmes und dessen Neubau am Südostende sowie am neuen (Mansard-)Dach zu erkennen. Außerdem wurde der das Schloss umgebende Wassergraben sowie der südliche Spiegelgraben verfüllt. Im Inneren wurde das gesamte Schloss wohnlicher gestaltet. Das Schloss hatte seit alten Zeiten eine Turmuhr, die 1874 durch eine neue von M. Bassler aus Lommatzsch ersetzt wurde. Diese alte Uhr hatte zwei Glocken, wovon die eine im Jahre 1556 von Wolfgang Hilliger in Freiberg angefertigt wurde und die andere im Jahre 1754 von Johann Gottfried Weinhold in Dresden gegossen wurde.

1704–25 bestand im Ort eine Poststation am Postkurs Leipzig - Dresden, die danach nach Stauchitz verlegt wurde. 1938 wurden die Ortsteile Groptitz und Kalbitz nach Seerhausen eingemeindet.

In den letzten Apriltagen des Jahres 1945 wurde das Schloss Seerhausen von zwei Granaten der russischen Artillerie getroffen. Die Schäden waren nicht gravierend, allerdings wurde das Glasdach über dem früher offenen Innenhof zerstört, so dass die dort befindlichen Kunstschätze erheblichen Schaden nahmen. Durch die Bodenreform in der SBZ im September 1945 wurde das Schloss samt Rittergut enteignet. Am 25.09.1945 wurde dem Schlossherrn Hugo Freiherr von Fritsch die Enteignung mitgeteilt“. Am 22.10.1945 wurde er gemeinsam mit seiner Stieftocher Renata von Herwarth und seinem Bruder Carlo von Fritsch verhaftet und auf die Insel Rügen deportiert“

Nach den Plünderungen des Schlosses durch freigelassene Fremdarbeiter, russische Soldaten und Einheimische wurde, was an Kunstgegenständen, Möbeln oder Büchern übrig war, von der Schlossbergungskommision nach Dresden gebracht. Unter den am 6. und 10. Februar 1946 nach Dresden verbrachten Kunstwerken waren neben der wertvollen Bibliothek mit mehr als 3000 Bänden auch Bilder von Anton Graff, Scheenau und Tischbein dem Älteren“. Auch das Schloss- und Familienarchiv (11 Meter lfd. Akten) wurde abtransportiert“. Danach zogen Umsiedler und auch Seerhausener Wohnungslose ins Schloss ein. Nach dem Erlass des Befehls 209 der SMAD zählte Seerhausen von Anbeginn zu den Abbruchkandidaten. Die dort untergebrachten Menschen mussten Anfang 1948 ihre Zimmer wieder verlassen. Alles Brauchbare wie Türen, Fenster, Parkett oder Dachschiefer wurde ausgebaut und das Schloss am 23. März 1949 gesprengt. Nachdem einige wenige Baumaterialien für Neubauern aus dem Schutt gewonnen waren, lag der Rest des Trümmerhaufens bis zum Ende der 1970er Jahre im Park. Erst dann wurde der Bauschutt größtenteils auf eine Deponie nach Glaubitz gefahren und der Rest zu einem Haufen geschoben, mit Erde abgedeckt und begrünt. Heute kümmert sich der Förderverein Seerhausen gemeinsam mit der Gemeinde Stauchitz in verschiedenen Projekten darum, Schlosshügel und Schlosspark in einem für Besucher sehenswerten Zustand zu erhalten.

Nach der Kreisreform in der DDR gehörte Seerhausen seit 1952 nicht mehr zu Oschatz, sondern zum Kreis Riesa. Am 1. Oktober 1996 wurde Seerhausen in die Gemeinde Plotitz eingemeindet.1999 wurde dann durch die Gemeindegebietsreformgesetze in Sachsen die Gemeinde Stauchitz gebildet.